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Petite Messe solennelle von Gioachino Rossini
Sonntag, 16. Juni 2019, 10:00 bis 12:00

Den Sonntag Trinitatis, das ist in diesem Kirchenjahr der 16. Juni, wird die Petrusgemeinde mit einem besonders festlich gestalteten Gottesdienst begehen. Die Besonderheit spiegelt auch der besondere Ort: wir feiern diesen Gottesdienst im Gemeindesaal. Der Grund liegt zunächst in der Musik begründet, denn wir benötigen dafür diesmal ausnahmsweise keine Orgel, sondern einen Flügel und ein Harmonium, das wir allerdings durch ein Akkordeon ersetzen.

Zur Aufführung im Rahmen der Liturgie kommt Gioachino Rossinis "Petite Messe solennelle", eine ursprünglich für die katholische Kirche komponierte lateinische Messe. Ausführende sind

  • Die Bessunger Kantorei
  • Robert Crowe, Sopran
  • Daria Samarskaya, Alt
  • Juri Lavrentiev, Tenor
  • David Pichlmaier, Bass
  • Victor Prybilov, Akkordeon
  • Hie Jeong Byun, 2. Klavier
  • Joachim Enders, Soloklavier und Gesamtleitung.

Eine feierliche katholische Messe im evangelischen Gottesdienst, wie geht das zusammen?

Auf die Beweggründe möchte ich hier kurz erläuternd eingehen. Wir stehen, wie ich glaube und belegen möchte, damit in bester evangelischer Tradition.

Die fünf Teile der Messe, nämlich Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus dei, das so genannte „Ordinarium missae“, wurden nach der Reformation von Martin Luther übernommen und beibehalten, diese Ordnung bestimmt bis heute die Form unserer Sonntagsgottesdienste.

Dort haben wir als feststehende liturgische Teile

1. Das Kyrie eleison (Herr erbarme dich)
2. Das Gloria in excelsis deo (Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Fried.../Allein Gott in der Höh sei Ehr)
3. Das Credo (Glaubensbekenntnis)

In Abendmahlsgottesdiensten kommt hinzu

4. Das Sanctus und Benedictus (Heilig, heilig, heilig... gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn)
5. Das Agnus Dei (Christe, du Lamm Gottes)

Unser Abendmahlsgottesdienst enthält also alle fünf Teile der "katholischen" Messe, in deutscher Sprache zwar, aber in der Wortbedeutung unverändert.

In der Frühzeit der Reformation war die lateinische Sprache im evangelischen Gottesdienst durchaus noch gebräuchlich.

In seiner Schrift "Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdienstes" von 1526 schreibt Luther:

"Es gibt drei verschiedene Gottesdienste: erstens eine lateinische Form, welche wir früher haben hinaus gehen lassen, und die Formula Missae heißt. Diese will ich nicht aufgehoben oder verändert haben, sondern wie wir sie bisher bei uns gehalten haben, so soll es frei sein, sie zu gebrauchen, wo und wann es uns gefällt oder bestimmte Gründe uns dazu veranlassen. Denn ich will auf keine Weise die lateinische Sprache aus dem Gottesdienst ganz wegkommen lassen. Denn es ist mir alles um die Jugend zu tun.

Und wenn ich's vermöchte, und die griechische und hebräische Sprache uns vertraut wäre wie die lateinische und so viele feine Musik- und Gesangsstücke hätte, wie die lateinische sie hat, so sollte man einen Sonntag um den anderen in allen vier Sprachen, deutsch, lateinisch, griechisch und hebräisch, Messe halten, singen und lesen."

Auch heute kann man der lateinischen Sprache in evangelischen Gottesdiensten begegnen:

Am 6. Januar diesen Jahres (Epiphanias) habe ich einen Gottesdienst in der Leipziger Thomaskirche mitgefeiert, der als zweistündige Christmette nach Michael Praetorius festlich gestaltet war. Hier wurden im Abendmahlsteil sowohl die Präfation vor den Einsetzungsworten vom Liturgen lateinisch gesprochen (Dominus vobiscum, et cum spirito tuo...) als auch Sanctus und Agnus Dei in lateinischer Sprache vom Chor gesungen, in Vertonung des großen protestantischen Komponisten Praetorius.

Die Thomaskirche in Leipzig darf wohl unbestritten als der Ort bester evangelischer Kirchenmusiktradition gelten. Hat nicht Johann Sebastian Bach uns als eine seiner bedeutendsten Kompositionen eine lateinische Messe in h-Moll hinterlassen? Wenn also der größte Meister evangelischer Kirchenmusik das gesamte lateinische Ordinarium missae Wort für Wort vertont hat, dann können auch wir uns getrost an die gar nicht so "kleine" Messe von Rossini wagen und diese in unserem Gottesdienst aufführen.

Joachim Enders

Ort Gemeindehaus