Gott sucht den Menschen

Gott verbindet die Verwundeten, aber er kettet sie nicht an sich. Gott bringt die Verirrten zurück, aber er zwingt sie nicht. Gott sucht die Verlorenen, aber er verfolgt sie nicht. Gott stärkt die Schwachen, aber er bestärkt sie nicht in ihrer Schwachheit. Gott behütet die Starken, aber er hütet nicht ihre Stärke.

Diese Gedanken stammen von der Schulpfarrerin Katharina Bühling. In ihren Worten drückt sich in eindrucksvoller Weise das Geheimnis des christlichen Glaubens aus. Die Passionszeit führt uns Menschen dies in besonderer Weise vor Augen. Unsere Blickrichtung geht in der Regel nach oben, zu den Zielen, die wir erreichen wollen und müssen, zu den Wünschen, die wir uns noch erfüllen wollen. Gottes Blick geht dagegen suchend und rettend nach unten, niemand ist dafür zu gering, zu klein und unscheinbar, oder vielleicht auch zu groß oder stark.

Gottes Sohn hat eine dienende Gestalt angenommen, um uns mit Gott auszusöhnen. Jesus sagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben zu einer Erlösung für viele gebe." Aus diesen Worten spricht eine grundsätzliche Neuorientierung. Der Beweggrund für Jesus ist nicht eine Idee, ein Prinzip, sondern seine große Liebe zu Gott und den Menschen. Dies gibt ihm eine innere Freiheit, die sich durch Macht und Gewalt nicht zerstören lässt.

Gott ist anders. Sein Sohn sucht zuerst die Verwundeten, Verirrten, Verlorenen. Und auch in den Starken die Seiten, die Unterstützung, Wegweisung und neue Orientierung brauchen. Vermögen wir, sein Dienen zu akzeptieren, es an uns geschehen zu lassen? Mögen wir uns erneuern lassen, mit einem andern Blick? Mögen wir aufleben, durch ihn befreit? Jede geht da ihren eigenen Weg. Jeder geht da seinen eigenen Weg. Es gibt für die Wege der Nachfolge absolut kein Schema. Doch es gibt ein untrügliches Zeichen: Befreiende Erfahrungen im Glauben führen, manches Mal inmitten großer Schwierigkeiten, zu einem inneren Frieden, von dem wir erfüllt werden und den uns niemand wegnehmen kann.

Ihr Pfarrer Stefan Hucke